Monatswort Oktober

Das Warten der Gerechten wird Freude werden (Sprüche 10,28).

Dieser aber hat ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht, das ewiglich gilt, und hat sich zur Rechten Gottes gesetzt und wartet hinfort, bis seine Feinde zum Schemel unter seine Füsse gelegt werden (Hebräer 10,12-13).

 

„Warten“ gehört nun ja wirklich nicht zu meinen bevorzugten Themen, obwohl ich selber davon betroffen bin und zumindest im Kopf weiss, dass es sich lohnt, auf die Hilfe des Herrn zu warten. Dumm wäre es, vorzeitig aufzugeben oder das Problem in eigener Kraft anzupacken. Denn die Bibel ist voll von Verheissungen für alle, die durchhalten (=ausharren). Hier nur eine kleine Auswahl:

  • Warten führt zur Freude Eingangsvers).
  • Wer wartet, wird Frucht sehen: „Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange Frühregen und Spätregen“, (Jakobus 5,7).
  • Warten führt zu Gebetserhörung, Errettung, Ruhe und Sicherheit: „Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füsse auf einen Fels, dass ich sicher treten kann“, (Psalm 40,2-3).
  • Durchhaltendes, wachendes Warten bewirkt, dass wir bereit sind, wenn unser Herr zurückkommt, um Seine Gemeinde zu sich zu nehmen: „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet“, (Lukas 12,35-37).Im Vertrauen Wartende erreichen das göttliche Ziel.

Wie habe ich aber letzthin gestaunt, als ich in Hebräer 10,12-13 (siehe oben) las, dass auch Jesus wartet, und zwar heute noch! Der verherrlichte Christus, der vor zweitausend Jahren rufen konnte: „Es ist vollbracht!“, wartet immer noch?

Natürlich musste Er in seinem Leben auf der Erde warten. Erst mit etwa dreissig Jahren durfte Er zu wirken beginnen, und auch dann musste Er oft sagen: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“, (Johannes 2,4). Hätte Er nicht vielleicht gerne schneller vorwärts gemacht um das so schwere Erlösungswerk am Kreuz endlich hinter sich zu bringen? Aber Er wartete, bis Er sagen konnte: „Vater, die Stunde ist gekommen: Verherrliche deinen Sohn, auf dass der Sohn dich verherrliche“, (Johannes 17,1).

Das Erlösungswerk von Golgatha war von unserem Vater im Himmel, samt Zeitpunkt doch schon längstens geplant – spätestens seit dem Sündenfall (1. Mose 3,15). Bis ins Detail wusste Gott weit voraus, wie dieser grösste Sieg aller Zeiten errungen werden würde.

Worauf wartet denn Jesus heute noch? Auf die Vollendung dieses Zeitalters und Seine sichtbare Machtergreifung zum tausendjährigen Friedensreich. Aber das ist noch nicht alles. Er wartet auf dich und mich. Er ist der Bräutigam, der in brennender Liebe darauf wartet, dass Er die Gemeinde, Seine Braut, endlich zu sich holen darf. Wie hält Er das bloss aus! Er lebt in uneingeschränkter Gemeinschaft mit Seinem Vater. Auch tritt Er in ständiger Fürbitte als Hoherpriester für dich und mich ein. Zwei Dinge, die auch uns beim Warten helfen: innige Gemeinschaft mit dem Vater und treue Fürbitte für so viele, die es brauchen! Lange aber dauert Jesu Warten nun nicht mehr, bis es zur grössten Freude aller Zeiten wird.

Muss ich warten? Dann will ich mich doch schon mal darüber freuen, dass ich bald empfangen werde, was mir schon gehört. Ich weiss ja: Jesus wartet mit mir und versteht mich, und „Keiner wird zuschanden, der auf dich harret“, (Psalm 25,3).

 

Emanuel Keller